Historische Kacheln - WalfangschiffGeschichte

Walfang:
Überfahrt von Föhr nach Amsterdam

Auszug aus -Lebensbeschreibung eines alten Seemannes-
von Jens Jacob Eschels (1757 -1842):

Jens Jacob Eschels, NieblumAnno 1796 den 7. März (ich war damal 11 Jahr 2 Monat und 25 Tage alt) fuhr ich das erste Mal nach See, von Föhr nach Amsterdam mit dem Schiffer Rauert Peters von Amrum. Einige Einwohner der Dörfer Oevenum und Goting hatten ihn befrachtet und einige aus dem Dorfe Nieblum waren auch als Passagiere mit, worunter ich und mein Onkel Jürgen, meiner Mutter jüngster Bruder, der 7 Jahre älter als ich war, uns auch befanden. Derzeit fuhren die meisten Föhringer nach Grönland von Holland und es waren viele Commandeure auf Föhr, denn die Holländischen Schiffe, die nach Grönland auf den Walfang fuhren, beliefen sich 1769 wo ich mich nicht irre auf 192 Schiffe.

Auf Föhr schifften oder brachten die Commandeure und Officiere ihre Kleider usw. an Bord auf Schmacken*, wie man derzeit die Fahrzeuge nannte, den 15. Februar. Die Matrosenjungen aber den 1. und 2. März, und wenn alles am Bord war, und der Wind günstig, so segelten die Fahrzeuge nach See, blieb aber der Wind ungünstig, so blieben sie liegen und ging die Mannschaft nicht eher an Bord, als ein guter günstiger Wind wehte.

Am 7. März kam erst guter Ostwind und also fuhren die Commandeure und Officiere nicht eher als die Matrosen ab. Man konnte derzeit rechnen, daß alle Frühjahr circa 1200 Seeleute von Föhr, einem Lande 1 1/2 Meile groß, abfuhren und die Fahrzeuge hatten jedes über 100 Mann an Bord. Ihr könnt euch denken, Daß die Passagiere eng zusammenliegen mußten; nämlich es waren 4 Reihen quer über die Breite des Schiffes gemacht, so daß die Füße nach dem Kopf des anderen reichen, und da immer viele Jungen unter den Passagieren sich befinden, die noch nicht seefest sind, sondern noch seekrank werden und sich übergeben müssen, so haben diese einen Stiefel bei ihrem Kopfkissen worin sie brechen und speien. Da gibt es etwas zu lachen für die, welche nicht seekrank sind, denn man hört an verschiedenen Stellen: quack, quax usw.. Die Alten saugen aus ihren Stummelpfeifen dicke Rauchwolken, man könnte schon dadurch übel werden. Auch ich mußte der See ihren Tribut entrichten und mich meines Stiefels bedienen. Abends werden die Lucken und Luftlöcher fest und dicht zugemacht, theils weil es in dieser Jahreszeit des Nachts kalt ist, theils das Seewasser einschlägt. Nun denke man sich, wenn des Morgens die Springlucke offengemacht wird, welcher Tabacksrauch und Dunst von so vielen Menschen aus der Lucke steigt; man sollte glauben, man müßte daran des Nachts erstickt sein.

Wir hatten eine gute geschwinde Reise; in vier Tagen kamen wir in Amsterdam an.

* Schmack - kleiner Küstensegler
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