Anno
1796 den 7. März (ich war damal 11 Jahr 2 Monat und 25 Tage alt) fuhr ich das erste Mal
nach See, von Föhr nach Amsterdam mit dem Schiffer Rauert Peters von Amrum. Einige
Einwohner der Dörfer Oevenum und Goting hatten ihn befrachtet und einige aus dem Dorfe
Nieblum waren auch als Passagiere mit, worunter ich und mein Onkel Jürgen, meiner Mutter
jüngster Bruder, der 7 Jahre älter als ich war, uns auch befanden. Derzeit fuhren die
meisten Föhringer nach Grönland von Holland und es waren viele Commandeure auf Föhr,
denn die Holländischen Schiffe, die nach Grönland auf den Walfang fuhren, beliefen sich
1769 wo ich mich nicht irre auf 192 Schiffe.
Auf Föhr schifften oder brachten die Commandeure und Officiere ihre Kleider usw.
an Bord auf Schmacken*, wie man derzeit die Fahrzeuge nannte, den 15. Februar. Die
Matrosenjungen aber den 1. und 2. März, und wenn alles am Bord war, und der Wind
günstig, so segelten die Fahrzeuge nach See, blieb aber der Wind ungünstig, so blieben
sie liegen und ging die Mannschaft nicht eher an Bord, als ein guter günstiger Wind
wehte.
Am 7. März kam erst guter Ostwind und also fuhren die Commandeure und Officiere
nicht eher als die Matrosen ab. Man konnte derzeit rechnen, daß alle Frühjahr circa 1200
Seeleute von Föhr, einem Lande 1 1/2 Meile groß, abfuhren und die Fahrzeuge hatten jedes
über 100 Mann an Bord. Ihr könnt euch denken, Daß die Passagiere eng zusammenliegen
mußten; nämlich es waren 4 Reihen quer über die Breite des Schiffes gemacht, so daß
die Füße nach dem Kopf des anderen reichen, und da immer viele Jungen unter den
Passagieren sich befinden, die noch nicht seefest sind, sondern noch seekrank werden und
sich übergeben müssen, so haben diese einen Stiefel bei ihrem Kopfkissen worin sie
brechen und speien. Da gibt es etwas zu lachen für die, welche nicht seekrank sind, denn
man hört an verschiedenen Stellen: quack, quax usw.. Die Alten saugen aus ihren
Stummelpfeifen dicke Rauchwolken, man könnte schon dadurch übel werden. Auch ich mußte
der See ihren Tribut entrichten und mich meines Stiefels bedienen. Abends werden die
Lucken und Luftlöcher fest und dicht zugemacht, theils weil es in dieser Jahreszeit des
Nachts kalt ist, theils das Seewasser einschlägt. Nun denke man sich, wenn des Morgens
die Springlucke offengemacht wird, welcher Tabacksrauch und Dunst von so vielen Menschen
aus der Lucke steigt; man sollte glauben, man müßte daran des Nachts erstickt sein.
Wir hatten eine gute geschwinde Reise; in vier Tagen kamen wir in Amsterdam an.
* Schmack - kleiner Küstensegler