Sitten und GebräucheBrauchtum

Lik, Beerdigung

uch für den Trauerfall werden auf unserer Insel Bräuche gepflegt. Trauertracht Föhr Ist ein Mensch gestorben, so übernehmen die jungen Mädchen in der Nachbarschaft das Amt des "Likbaaders". Sie gehen von Haus zu Haus und sagen den Tod ihres Nachbar an. Dafür bekommen diese Boten von den Angehörigen des Verstorbenen ein paar Mark als Dank.
Im Totenzimmer sind die Fenster, sowie alles Blanke wie Spiegel, Türklinken und Lampen verhängt. Wenn sich eine Uhr im Zimmer befindet, wird sie zum Stehen gebracht. Man sagt, die alten Friesen grüßen niemanden durch das Abnehmen des Hutes, wenn sie aber an die Bahre eines Toten treten, entblößen sie ehrfurchtsvoll das Haupt und sprechen ein stilles Vaterunser.
Der Leichenzug gestaltet sich folgendermaßen. Vorweg gehen der Pastor und der Kantor mit den Sängerknaben. Dahinter fährt der Leichenwagen, gefolgt von den nächsten Angehörigen und den Bekannten. Die Frauen, die dem Toten besonders nahe standen, trugen früher ein besonderes Trauerkleid "Surigkap". Die Schürze war weiß, und dazu wurde ein großes gesticktes, weißes Taschentuch "Surignöösduk" in der Hand getragen.
Riechdoeschen Föhr In der Kirche saßen die Angehörigen auf einer besonderen Bank, der "Surigbeenk" (Trauerbank). Sie durften während der Textvorlesung nicht aufstehen und hielten während der ganzen Feier das Surignöösduk vors Gesicht und den Kopf gegen die Rückenlehne der vorderen Bank. Riechdoeschen Föhr Zur Erfrischung wurde ein Riechdöschen (Ongenduuske) herumgereicht, ein kleines silbernes Kästchen, das mit Riechkraut gefüllt war. Nach der Beerdigung gehen nur die Leidtragenden ins Trauerhaus zurück, die Trauergemeinde geht nach der Trauerfeier nach Hause.
Früher wurden weder der Sarg noch das Grab mit Kränzen geschmückt. Man wollte dem Tod in seiner ganzen Härte und Herbheit ins Auge sehen. Die Grabsteine erreichten im 18. Jahrhundert ihren künstlerischen Höhepunkt. Davon sind auf unserem Kirchhof in Süderende schöne Denkmäler erhalten. Die sinnbildlichen Darstellungen und Inschriften sind immer in Anlehnung an die Seefahrt und andere Berufe geschaffen worden. Unter den Figuren ist die Darstellung eines Schiffes am häufigsten, in den Grabschriften wird häufig die Seefahrt thematisiert. Auf dem Friedhof von St.Laurentii steht ein Grabstein mit folgender Inschrift:
Oh Schiffer auf des Erdenlebens Wellen
Ermiß der Pflichten Höhe mit der Christenlieb Octant.
Und schaue, wie hoch auch Leidensfluten schwellen,
stets mit des Glaubens Fernrohr nach der Christen Hoffnung Land:
So wirst du sicher nach dem rechten Hafen steuern
Und sammeln wird dich Gott als Garb` in seine Scheuern.
Eine andere Inschrift lautet:
Die Hoffnung ist erfüllt,
wenn man im Hafen liegt.
Die Ruhe ist angenehm,
wenn Sturm und Not besiegt!
  Aus: "Föhrer Sitten und Gebräuche", Anke Nielsen, Klintum auf Föhr, 1955
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