Sitten und GebräucheBrauchtum

Bradlep, Hochzeit

eheiratet (Hochzeit = Bradlep) wurde in alter Zeit meistes im Herbst, wenn die Männer vom Walfischfang heimkehrten.
Brautkleid 1650 Föhr Zwei bis drei Wochen vor der Hochzeit geht das Brautpaar zum Pastor um die Trauung zu erbitten. Der Pastor richten dann Worte der Ermahnung an das junge Paar, und der Hochzeitstermin wird festgelegt. Am nächsten Sonntag "kanzelt" der Pastor das Paar ab, d.h. es wird der Gemeinde die geplante Hochzeit von der Kanzel herab angekündigt.
Einige Tage vor der Hochzeit gehen Braut und Bräutigam zu allen Verwandten um die Einladung persönlich zu überbringen. In jedem haus, in das sie einkehren, bekommen sie ein Glas Wein und Kuchen. Um 1650 hatte die Braut bei dieser Gelegenheit noch eine besondere Tracht an. Sie trug einen aus schwarzem Tuch gemachten und mit vergoldeten Münzen besetzten Gürtel auf dem Kopf und einen mit Bändern von verschiedener Farbe umwundenen Stock in der Hand. Heute weiß man von dieser Tracht nicht mehr viel.
Die Hochzeit findet gewöhnlich an einem Freitag statt. Diese Sitte stammt noch aus heidnischer Zeit. Der Freitag ist der Göttin Frigga, Göttin des Haussegens, geweiht.
Brautkrone 1800 Föhr An ihrem Ehrentage war die Braut noch bis ungefähr 1880 mit der "Bridjkrüün" (Brautkrone) geschmückt. Sie ist aus hochgestellter Pappe, die mit schwarzem Tuch überzogen ist, gearbeitet. Die äußere Fläche ist besetzt mit grünen Blättern und dunkel- und hellroten Rosen. Eingestreute Glasperlen vervollständigen das Schmuckstück. Es sollte den Myrtenkranz ersetzen. Im Dorf war nur eine Krone vorhanden, für die eine Leihgebühr von 12 Schilling zu zahlen war. Das Bild einer Brautkrone finden wir auf einem Ölgemälde von Oluf Braren.
Heute trägt die Braut die Festtracht mit der weißen Schürze. Auf den aufgelegten Zöpfen liegt der Myrtenkranz. Für die fahrt zur Kirche benutzt man heute noch Pferd und Wagen, die Braut und der Bräutigam sitzen im ersten Wagen. Dann folgen Eltern, Geschwister und die anderen Hochzeitsgäste in einer bestimmten Reihenfolge, die sich nach dem Grad der Familie richtet. Die weiblichen Gäste tragen die weiße Schürze zur Festtracht (bei Verlobungen und zur Konfirmation tragen die Frauen die schwarze Schürze).
Die Trauung (Weien) bietet heute keine besonderen Bräuche mehr. Zur Zeit meiner Großmutter saß das Brautpaar nicht auf den bekränzten Stühlen vor dem Altar. Die Brat saß allein in der ersten Reihe im Chor. Hinter ihr saßen die jüngeren und dahinter die älteren Frauen. Der Bräutigam hatte seinen Platz in einem der ersten "Amklapbeenker". Auf einen Wink des Pastors trat der Bräutigam aus seiner Bank heraus und ging mit seiner Braut zur Linken zum Altar hinauf. Nach der Trauung ging die Braut an der rechten Seite des Bräutigams herunter, und sie begaben sich wieder auf ihre alten Plätze zurück.
Nachdem die kirchliche Feier beendet ist, fahren alle Gäste ins Festhaus zurück. Regnet es bei der Rückkehr, so sagt man: "Es regnet dem Brautpaar das Glück in den Schoß." Ebenfalls bedeutet die Begegnung einer jungen Frau und die eines Pferdewagens Glück. Eine alte Frau wird als Unglücksbote angesehen. Nach der Ankunft im Hochzeitshause wird jeder Kutscher reichlich bewirtet.
Bei den Malzeiten sitzt das Brautpaar unter dem Spiegel im Pesel. Ihnen gegenüber sitzen Verlobte. Die abendliche Feier bei Wein und Kuchen beginnt immer mit dem Lied: "Lobe den Herrn". Lustige Lieder sowie ernste Reden sind die Merkmale von Föhringer Hochzeiten. Um 12 Uhr richten sich alle Augen auf das Brautpaar. Der Bräutigam nimmt seiner jungen Frau den Myrtenkranz ab und steckt ihr das "Hüüw" auf. "Hüüw" bedeutet wortgemäß "Haube" und ist das Zeichen der verheirateten Frau. Jetzt muss der Bräutigam seiner Frau einen Kuss geben. Tut er das nicht, so erfasst der Tischnachbar die Braut und spielt den Stellvertreter. Die Hochzeitsgesellschaft nimmt das als ein Vorzeichen von Untreue für die kommende Ehe auf.
Hüüw Tracht Föhr Nun möchte ich noch einige Worte zum "Hüüw" sagen. Das Hüüw wird hinter das Kopftuch auf die aufgesteckten Zöpfe der Frau gesteckt. Es ist ein ovaler Lappen aus rotem Tuch und mit schwarzen Perlen und Samt bestickt. Die Herkunft des roten Stoffes ist kaum mehr bekannt, deswegen möchte ich es hier erwähnen. Die Soldatenröcke der Männer vor dem ersten Weltkrieg waren aus blauem Tuch mit rotem Besatz. Dieser Besatzstoff wurde, wenn die Röcke aufgetragen waren, für die Hüüwen verwendet. Noch heute kennzeichnet dieser Teil der Tracht eine verheiratete Frau.
Erwähnenswert wäre noch das Poltern am Abend vor dem Hochzeitstag. Es wird nur im Osten der Insel praktiziert, im westlichen Teil der Insel hat es sich nicht durchgesetzt. Es wurde als eine Unsitte empfunden.
  Aus: "Föhrer Sitten und Gebräuche", Anke Nielsen, Klintum auf Föhr, 1955
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