Sitten und GebräucheBrauchtum

Freimaagin Die Konfirmation

as nächste Fest in unserem Leben ist gewöhnlich die Konfirmation. Es bedeutet die Bestätigung des Taufbundes und Abschied von den Kinderjahren, meistens auch Abschied von der Schule. Konfirmationszug st.Laurentii auf Föhr 1955 Das entnehmen wir auch aus dem friesischen Wort für Konfirmation "Freimaagin", wörtlich übersetzt "Freimachen", also die Jugendzeit und die Schulzeit hinter sich lassen. Zur Zeit der Grönlandfahrer fuhren einige Knaben von der Insel Föhr vom 10. Lebensjahr an zur See. Im Winter gingen sie zur Konfirmationsstunde und wurden dann meistens mit 15 Jahren konfirmiert.

Der Konfirmationstag gestaltet sich folgendermaßen: Am frühen Morgen des Festes grüßen zwei wehende Fahnen den Konfirmanden, die die Vorkonfirmanden ihm zu Ehren bei Sonnenaufgang gehisst haben. So will es der Seemannsbrauch. Am Pastorat treffen sich die Konfirmanden mit ihrem Pastor. Die Jungen tragen ihren ersten dunklen Anzug und einen Hut. Vor ca. 30 Jahren gingen alle Knaben am Mittwoch vor Palmarum zu Fuß nach Wyk, um sich einen Hut zu kaufen. Die Mädchen, ob Einheimische oder Flüchtlinge (Anm.: der Bericht stammt aus dem Jahre 1954!), kommen in der Friesentracht, die sie an diesem Tag zum ersten Male tragen. Festtracht Konfirmation auf Föhr 1955 Früher trugen die Mädchen auf Föhr bereits bei Eintritt in die Schule eine Kindertracht. Vor einer Generation war es noch üblich, dass die Mädchen in Tracht zur Schule gingen, wenn sie den Jahrgang für den Konfirmationsunterricht erreicht hatten. Natürlich war die Kindertracht weniger aufwendig und wertvoll als die Festtracht.

Zu der Festtracht gehört zunächst das kunstvoll geschwungene Kopftuch (Braanjnöösduk). Der handgestickte Rahmen dieser Haube muß in den Farben zu dem aufgesteckten, bunten Seidenhalstuch (Halsnöösduk) passen. Der wertvolle Silberschmuck (Haagh an Leenk) aus Filigran erinnert uns an die drei wichtigsten Dinge des Lebens: Glaube, Lieb und Hoffnung, dargestellt durch Kreuz, Herz und Anker. Der weite Tuchrock (Pei) mit der blauen Borte und die weiße Spitzenschürze reichen bis fast auf die Erde. Das Kleidungsstück für die Arme (Sliawen) ist ein Teil für sich aus Sammet mit je zwei Filigranknöpfen aus Silber am Handgelenk. In diesem festlich-majestätischen Gewand schreiten sie im feierlichen Zuge unter dem Geläute der Glocken von St.Laurentii, Süderende auf Föhr, in die Kirche. Mit dem Liede "Jesu geh` voran" schreiten die Konfirmanden durch den Mittelgang zum Chor, um vor dem Altar ihr Gelübde abzugeben.

Nachdem der ernste, feierliche Teil des Konfirmationstages abgeschlossen ist, beginnt am Nachmittag das eigentliche Feiern. Die Paten und alle Verwandten und Bekannten haben sich eingefunden. Es ist ein rechtes Familienfest, in dessen Mittelpunkt der Konfirmand steht. Nach dem Kaffeetrinken spazieren alle Konfirmanden durch das Dorf und nehmen die Gratulationen der Dorfbewohner entgegen.

Um 6 Uhr abends kommen die "Flaagster", die Vorkonfirmanden, und holen die Fahne wieder ein. Sie werden zum Dank für die Ehre, die sie dem Konfirmanden mit den Fahnen erwiesen haben, bewirtet, und neuerdings erhalten sie noch ein Geldstück. Das Fest geht weiter mit einem reichlichen Abendessen, und nach einem fröhlichen Beisammensein findet die Feier meistens gegen 11 Uhr ihren Ausklang durch ein gemeinsam gesungenes Lied.
  Aus: "Föhrer Sitten und Gebräuche", Anke Nielsen, Klintum auf Föhr, 1955
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