Sitten und GebräucheBrauchtum

Krasnin Die Taufe

Taufstein St-Laurentii Süderende Föhr rüher legte man den Kindern auf Föhr gleich nach der Geburt zum Schutze eine Bibel in und eine gekreuzte Schere vor die Wiege, damit ihnen keine Gefahr drohte. Die Bänder der Windeln band man so , dass sie ein Kreuz bildeten. Als die gefürchtetesten Feinde der Kinder wurden die "Oderbaankes" (Unterirdischen) angesehen. Zahlreiche Geschichten berichten uns, was sie für kleine merkwürdige Phantasiegestalten gewesen sein müssen. Ihre Gestalt war klein, dabei hatten sie einen ungewöhnlich großen Kopf, lange Arme, dünne und krumme Beine. Trotz dieser Missgestalt besaßen sie eine große Körperkraft. Meisten trugen sie eine kurze, rote Jacke und grüne Hosen, eine rote Zipfelmütze, und in ihrem Gürtel steckte ein kleines Messer. Sobald die Kinder getauft waren, hatten die Oderbaankes ihre Macht über die Kinder verloren. Deswegen wurden früher die meisten Kinder gleich nach der Geburt getauft. Die Taufe wurde allgemein in der Kirche vollzogen. Der marmorne Taufstein unserer St.Laurentii Kirche in Süderende auf Föhr wurde im Jahre 1752 vom Schiffskapitän Jong Rörd Jong Früdden gestiftet.

Taufkleid Patin auf Föhr (17. Jahrhundert) Heute findet die Taufe häufig zu Hause statt. Die drei Paten - bei einem Knaben zwei Männer und eine Frau, bei einem Mädchen zwei Frauen und ein Mann - , die Gäste und die Eltern des Täuflings versammeln sich am Nachmittag im Festhause. Früher war die Patin an einer besonderen Tracht erkennbar, siehe Zeichnung. Heute wird sie nicht mehr getragen. Nachdem der Pastor den Taufakt vollzogen hat, bittet der Vater die Taufgemeinde zum festlich gedeckten Tisch, an dem es eine bestimmte Tischordnung gibt. Der Pastor und die Paten erhalten Ehrenplätze. Das Auftragen der Kuchen besorgen junge Mädchen. In einigen Familien gibt es abends ein Festessen, dann ist die Feier um 10 oder 11 Uhr beendet.

Die Namensgebung ist und war auf Föhr ein besonders feierlicher, bedeutsamer Akt im Leben des Kindes. Sie fand früher bei der Taufe statt. Bis etwas 1814 wurde die patronymische Namensgebung gepflegt. Aus dem Vornamen des Vaters mit einer angehängten Endung wie "s", "en" oder "ens" wurde der Nachname des Kindes gebildet. Wenn z.B. der Vater Arftst Boyens hieß, lautete der Nachname der Kinder Arfsten. Die Kinder von Riewert Braren erhielten den Nachnamen Riewerts.
  Aus: "Föhrer Sitten und Gebräuche", Anke Nielsen, Klintum auf Föhr, 1955
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