Sitten und GebräucheBrauchtum

Üütjbringen Verlobung

einem Sonntag findet die Verlobung ("Üütjbringen" heißt so viel wie "das Verlöbnis unter die Leute bringen") beim Bräutigam Üütjbringen Oldsum Föhr im Kreise der Familie, am darauffolgenden Sonntag bei der Braut statt. Das "Hualew-Jonken" hat am Abend zuvor eine Fahnenstange vor dem Festhaus errichtet, und vor Sonnenaufgang werden die Fahnen von einige jungen Leuten aufgezogen. Ist das Flaggen nicht in aller Frühe geschehen, so ist es eine Beleidigung für die Braut. Man deutet es durch den Volksglauben als: die Braut ist unehrlich. Vor Sonnenuntergang werden die Fahnen wieder abgenommen. Durch die Schüsse wollen die Jungen sinnbildlich das junge Glück des Paares festigen und beschützen; durch den Lärm der Schüsse werden angeblich die bösen Geister vertrieben. Dieser Brauch ist durch die Seeleute aufgekommen.
Das Ausschießen beim Einholen der Flaggen ist das Zeichen zum Erscheinen der Brautleute. Die Braut bewirtet die "Flaagster" mit Kuchen, und der Bräutigam schenkt dazu Wein aus.
Da die Föhrer bekanntlich ein Seefahrervolk sind, kam es früher auch vor, dass die Braut ihre Verlobung allein feiern musste, während der Bräutigam auf fremden Meeren segelte. Ein Grabdenkmal auf dem Friedhof von St. Johannis in Nieblum berichtet darüber. Die Inschrift des Grabsteines besagt, dass der Seefahrer Dirk Kramer es 1762 wagte, sich "auf göttlichem Wink abwesend zu Verbinden mit der tugendsamen Eyke Jensen aus Nieblum".
  Aus: "Föhrer Sitten und Gebräuche", Anke Nielsen, Klintum auf Föhr, 1955
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